Natürlich muss jeder für sich selbst entscheiden, was er warum fahren oder nicht fahren möchte. Im Folgenden möchte ich einmal aufführen, warum ich mich für ein Liegetrike entschieden habe.
Ich möchte es 2-4 Mal pro Woche für die Fahrt zu meiner Arbeit von Oerlinghausen nach Detmold verwenden. Pro Tag sind das etwa 33 km. Momentan fahre ich noch mit einem normalen Trekkingbike mit 24 Gängen. Das ist, verglichen mit einem Liegetrike, wo man in einem “Sessel” sitzt/liegt, relativ unkomfortabel. Auch bin ich des Öfteren gezwungen, aufgrund unangenehmer Taubheitsgefühle aufzustehen oder die Sitzposition zu wechseln. Der zu erwartende, geringere Windwiderstand (etwa 30%) spricht auch für ein Liegetrike.
Im Vordergrund stehen für mich also Komfort, Gesundheit und Bequemlichkeit. Dazu kommt natürlich noch der enorme Spaßfaktor durch das Kart-Feeling und die innere Befriedigung, etwas zu fahren, was nicht jeder fährt. Dass man berghoch nicht umkippen kann, ist mir persönlich weniger wichtig. Ich sehe es immer als persönliche Herausforderung an, auch bei langsamer Geschwindigkeit auf einem Zweirad nicht umzukippen. Dass man jederzeit, insbesondere an roten Ampeln aber einfach sitzenbleiben kann, finde ich sehr gut und extrem cool.
Wie beim normalen Fahrrad auch sind weitere Vorteile der allgemeine, positive Effekt auf die Gesundheit sowie die regelmäßigen Kraftstoffeinsparungen. Im Vergleich zum normalen Fahrrad werden allerdings der Rücken, die Arme und die Handgelenke entlastet. Auch fällt man bei einem Sturz nicht sehr tief und mit dem Kopf voraus über den Lenker kann man bei einem Unfall auch nicht gehen.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Wenn man durch das bloße Fahren auf so einem Liegetrike, Autofahrer dazu animieren kann, es einem gleichzutun, tut man nicht nur aktiv, sondern auch passiv etwas für die Umwelt und das Weltklima. Ich finde das gut.
Natürlich gibt es auch bei Liegetrikes Nachteile: Der Preis ist im Vergleich zu einem normalen Rad deutlich höher, da diese Räder nicht in so großer Stückzahl produziert werden.
Auch wird man trotz Flagge im Stadtverkehr schlechter wahrgenommen, gerade von Fahrern abbiegender Autos. Sicher erregt so ein ungewöhnliches Gefährt die Aufmerksamkeit der Autofahrer, aber dazu müssen sie es erst einmal sehen! Vorausschauendes Fahren ist also Pflicht. Ich persönlich fahre an Steigungen lieber auf dem Radweg, da ich da eher ein Hindernis für motorisierte Zeitgenossen bin. Wenn es keinen Radweg gibt oder der in einem inakzeptablen Zustand ist, bevorzuge ich die Straße.
Ein weiterer vermeintlicher Nachteil ist, dass man nicht aufstehen kann, um berghoch zusätzlichen Druck auf die Pedale auszuüben. Man kann sich allerdings stark gegen die Rückenlehne pressen und auch auf diese Weise enormen Druck ausüben, sollte aber auf die Knie aufpassen. Im Übrigen stehe ich beim Zweiradfahren selbst bei Steigungen über 15 Prozent nicht auf, sondern schalte lieber in einen leichteren Gang. Durch das Aufstehen ermüdet der Körper noch schneller und es wirkt sich auch nachteilig auf die Fahrstabilität aus.
Zum Schluss noch eine Anmerkung zum auffälligen Erscheinungsbild eines Liegetrikes: Man muss immer damit rechnen, ständig erstaunt angegafft oder sogar angesprochen zu werden. Dieses Phänomen tritt jedoch bei jedem Gefährt im Straßenverkehr auf, das sich deutlich von den alltäglicheren Gefährten unterscheidet und ist daher normal. Empfindlichen Gemütern kann der Rummel aber schnell zu viel werden.