Wie schon im Jahr 2009 fuhr ich auch dieses Jahr wieder mit dem Rad nach Nienburg/Weser, im Folgenden nur Nienburg genannt. Diesmal fuhr ich mit dem Liegetrike hin und zwei Tage später auch wieder zurück. Außerdem bin ich ab Vlotho, bzw. auf dem Rückweg bis Vlotho hauptsächlich auf dem Weserradweg gefahren. Damit befuhr ich etwa ein Siebtel des um die 500 km langen Weserradwegs, der von Hann. Münden in Hessen bis nach Cuxhaven in Niedersachsen verläuft.
Auf der Hinfahrt hatte ich die ganze Zeit über bestes Wetter mit viel Sonnenschein. Da Oerlinghausen mit
214 m ü. NN deutlich höher liegt als Nienburg mit gerade mal 25 m ü. NN kam ich auch sehr gut voran, besonders nach dem Erreichen des Norddeutschen Tieflands hinter der Westfälischen Pforte.
Orientierungsschwierigkeiten hatte ich insbesondere zwischen Petershagen und Stolzenau, wo ich den Weserradweg des Öfteren verfehlte und gezwungenermaßen auf Feldwege oder Hauptstraßen ausweichen musste. So entging mir z.B. ein schöner und zugleich recht langer Radweg über eine alte Bahntrasse.
Dafür stand ich z.B. einmal im Nirgendwo zwischen Petershagen und Ovenstädt und blickte ratlos auf die Straße, die direkt am Weserufer endete und am anderen Ufer weiterlief…
Der Abschnitt Porta Westfalica – Minden fuhr sich am angenehmsten, da der Radweg dort hervorragend ausgebaut war (sehr breit, kaum Ausbrüche bzw. Schlaglöcher). Auch der Abschnitt zwischen Minden und Petershagen, wo man nur mit 1-2 Meter Abstand links an der Weser entlangfährt, ist sehr schön. An anderen, späteren Stellen sah man deutlich, dass der Weserradweg oft auch von landwirtschaftlichen Fahr-
zeugen genutzt wird. Dort verdient er oft nicht die Bezeichnung Radweg.
Während der gesamten Strecke wurde ich von keinem einzigen Zweiradfahrer überholt bzw. bin ich an allen Zweiradfahrern vorbeigefahren, sogar an zwei Mountainbikern, die ziemlich flott unterwegs waren. Ich führte auch immer wieder Gespräche mit interessierten Zweiradfahrern, die in die gleiche Richtung unterwegs waren, u.a. auch mit einer bereits leicht ergrauten Blondine aus Magdeburg, die an mehreren Tagen den ganzen Weserradweg befahren wollte und an dem Tag schon über 80 km geschafft hatte – Kompliment!
Kurz vor Nienburg hatte ich dann noch ein besonderes Erfolgserlebnis: Ich fuhr links der Straße auf dem Fahrradweg. Auf der Straße fuhr am rechten Rand ein stark beleibter Rentner auf seinem Moped. Ich musste zwar ziemlich trampeln, habe ihn aber letztlich souverän und breit grinsend überholt :-)
Statistisches zur Hinfahrt:
- Datum: 23.09.2010
- Zeitraum: ca. 9:15 – 15:45 Uhr
- zurückgelegte Strecke: 113,89 km
- Netto-Fahrzeit: 5:20:26 h
- Brutto-Fahrzeit: ca. 6:30 h
- 21,32 km/h im Durchschnitt
- maximale Geschwindigkeit: 47,58 km/h
- 61 UPM
Der erste Versuch der Rückfahrt scheiterte bereits in Estorf nach weniger als 10 km. Eine sehr große Scherbe in Form eines Haifischzahns bohrte sich in den Mantel meines rechten Vorderrads und schlitzte auch den Schlauch auf. Innerhalb von 2 Sekunden war der Reifen total platt und an eine Weiterfahrt war nicht zu denken. Da ich mich auf den integrierten Pannenschutz verlassen hatte, war ich ohne Flickzeug und Luftpumpe unterwegs und musste mich von einem nahen Verwandten zurück nach Nienburg fahren lassen, wo ich die fehlenden Accessoires kaufte und das Rad wieder fahrtüchtig machte. Mittlerweile war aber soviel Zeit vergangen, dass ich mich entschloss, noch einen weiteren Tag in Nienburg zu bleiben, da ich ansonsten die letzten 20-30 km der Strecke im Dunkeln hätte zurücklegen müssen.
Einen Tag später ging es um 9:00 Uhr los. Es war merklich kühler und die Sonne kam nur selten zum Vorschein. Auch war der Boden von den teils starken Regenfällen des Vortages noch sehr nass.
Der Nachteil fehlender Vorderrad-Schutzbleche zeigte sich bereits auf einem ziemlich dreckigen Abschnitt zwischen Estorf und Landesbergen, wo sowohl Liegetrike als auch ich binnen kürzester Zeit durch hochgewirbelten Matsch eingesaut wurden.
Zweiradfahrer, die in die gleiche Richtung wollten, gab es fast gar keine mehr. Dafür kamen mir häufiger Gruppen mit einer gefühlten Stärke von bis zu 20 Fahrern entgegen, die teilweise erst sehr spät auswichen. Richtig gefährlich wurde es aber nie.
In Petershagen verlor ich zuerst unbemerkt eine Schraube, mit der das hintere Schutzblech am Hinterbau befestigt war. Ich hörte zwar ein klimperndes Geräusch, war aber durch ähnliche Geräusche, wo ich angehalten hatte und sich eben nichts gelöst hatte, etwas desensibilisiert. Fortan klapperte das nun lose Teil bei jeder noch so kleinen Erschütterung gegen den Hinterbau, der an der Stelle auch einen Teil seiner roten Lackierung eingebüßt hat. Ich ärgere mich heute noch, dass ich dieses Teil erst im späteren Verlauf ein stückweit nach außen gebogen habe. Zum Glück wird diese Stelle aber von einer Unterlegscheibe verdeckt.
Orientierungsprobleme hatte ich auf der Rückfahrt kaum noch, ich achtete aber auch sehr auf die Schilder des Weserradwegs und auf Fahrradschilder allgemein. Nur in Minden habe ich mich einmal verfahren, als ich statt der Weser zu folgen, am Mittellandkanal Richtung Lübbecke entlangfuhr.
Körperlich richtig hart wurde es nach 80 km. Die restliche Strecke von Vlotho über Bad Salzuflen nach Oerlinghausen kam einer Tort(o)ur gleich, da es auch immer häufiger bergauf ging und mir die Oberschenkel und die Kniescheiben immer mehr schmerzten. Nun, die Knieschmerzen waren zum Glück schnell wieder verschwunden, die Oberschenkel spüre ich aber auch heute noch deutlich. Fast 250 km in 3 Tagen bzw. fast 450 km in den letzten 8 Tagen waren aber auch schon recht viel…
Statistisches zur Rückfahrt:
- Datum: 25.09.2010
- Zeitraum: ca. 9:00 – 15:55 Uhr
- zurückgelegte Strecke: 116,60 km
- Netto-Fahrzeit: 6:15:21 h
- Brutto-Fahrzeit: ca. 6:55 h
- 18,63 km/h im Durchschnitt
- maximale Geschwindigkeit: 44,76 km/h
- 60 UPM
Fazit: Der Hinweg ist wegen der häufigeren Gefälle schöner. Wegen der teils sehr dreckigen bzw. bei Nässe matschigen Wege, speziell zwischen Minden und Nienburg, empfehle ich bei nasser Fahrbahn oder Regen dringend den Gebrauch von Schutzblechen für alle Räder. Insgesamt empfehlenswert. In diesem Jahr aber nicht noch einmal… Übrigens sah ich während der gesamten Strecke keinen einzigen Liegeradfahrer. Manchmal komme ich mir wirklich vor wie das Mammut Manfred in Ice Age…