Archiv für die "Auf zwei Füßen"-Kategorie
Durch den Teutoburger Wald in Oerlinghausen
Gestern machte ich mit einer befreundeten und überaus sportlichen Designerin eine Wanderung durch den Teutoburger Wald. Unser Ziel war der Segelflugplatz Oerlinghausen, auf dem jährlich die meisten Starts von Segelflugzeugen weltweit stattfinden.
Zunächst ging es den 333,4 m hohen Tönsberg hoch, dessen Kamm wir auf der Höhe des Ehrenmals erreichten. Vorbei am Löns-Denkmal und an der am östlichen Ende gelegenen Hünenkapelle stiegen wir den Tönsberg mit Blick auf den Nachbarberg Hunekenkammer in südlicher Richtung wieder hinab.
Nachdem wir uns in der Gaststätte des Segelflugplatzes ausgiebig gestärkt hatten, ging es direkt an der Sandgrube Hassler vorbei in Richtung Barkhauser Berg. Die Dämmerung setzte ein und es wurde zunehmend dunkler. Der Jupiter, der zur Zeit sehr gut am Abend- und Nachthimmel zu sehen ist, auch weil er duch seine Größe deutlich aus dem Sternenmeer herausragt, schien uns einsame Wanderer friedlich und gutmütig zu beobachten. Die Luft war immer noch angenehm frisch und warm.
Als wir damit begannen, den schmalen und weitgehend natürlichen Kammweg des Barkhauser Berges zu erreichen, war es bereits vollkommen dunkel. Mit verantwortlich für die Dunkelheit war das fehlende Mondlicht, da Neumond war. Das heißt, der Mond befand sich zusammen mit der Sonne unterhalb des Horizontes.
Im fahlen Lichtschein einer Taschenlampe begingen wir den gut 1 km langen Kammweg in westlicher Richtung.
Die gespenstischen Schatteneffekte und die latente Angst vor angriffslustigen Keilern oder streitbaren Bachen sorgten für eine dichte Atmosphäre. Zu unserer Rechten blickten wir zudem hinab auf die vielen kleinen Lichter der Häuser rings um den Welschenweg. Am westlichen Fuße des Barkhauser Berges angekommen, gingen wir vorbei am Freilichtmuseum Oerlinghausen, ehe es durch das Zentrum zurückging.
Nach vier Stunden waren wir wieder am Ausgangspunkt angekommen. Fazit: Oerlinghausen bietet Wanderfreunden sehr viel und auch diese Wanderung hat dies eindrucksvoll bestätigt. Jederzeit wieder!
Teneriffa 2009
Meine Frau, meine Tochter und ich haben im September 2009 zwei Wochen Urlaub auf meiner Lieblings- und Trauminsel Teneriffa gemacht.
Hauptsächlich wegen meiner ausgeprägten Neugierde und meines sportlichen Ehrgeizes habe ich mich anstelle eines Badeurlaubs für Aktivurlaub entschieden. Ich gehe in fremden Gegenden immer gern auf Entdeckungs-
reise und dafür ist Teneriffa auch wirklich wie gemacht: Es gibt im Norden das Anaga-Gebirge, im äußersten Nordosten das Teno-Gebirge mit dem malerischen Ort Masca und dessen berühmter Schlucht und im Zentrum die gewaltige Caldera Las Cañadas mit dem höchsten Berg Spaniens, dem 3718 m hohen Pico del Teide.
Hier eine kleine Touren-Übersicht in chronologischer Reihenfolge:
- Órganos-Höhenweg (alleine)
- Chinobre-Runde (zu dritt)
- Von Garachico nach San Juan del Reparo (alleine)
- Von La Caldera nach Aguamansa (zu dritt)
- Von der Teide-Seilbahn auf den Guajara (alleine)
- Roques de Garcia (zu dritt)
- Von Roques de Garcia auf den Pico Viejo (alleine, abgebrochen)
Ich werde nachfolgend nur persönliche Eindrücke und Erfahrungen wiedergeben. Beschreibungen zu allen Wanderungen sind auch im Rother Wanderführer Teneriffa. Die schönsten Küsten- und Bergwanderungen – 70 Touren enthalten. Nur die Touren 5 und 7 weichen teilweise etwas ab.
Órganos-Höhenweg: Ich begann diese Tour leider erst am Nachmittag. Leider, weil vormittags immer
mächtige Passatwolken von Westen her aufziehen, die sich nachmittags im Gebirge stauen. So bin ich zwar an zahlreichen Aussichtspunkten entlang gekommen, hatte aber in dieser unheimlichen und gespenstischen Nebelsuppe nie mehr als 100 m Sicht. Auch die berühmten Orgelpfeifen habe ich an diesem Tag nicht zu Gesicht bekommen… Schön war die Tour trotzdem. Eine Stelle hat mich im Vorfeld besonders gereizt:
Ein schmaler, windiger Weg mit einem Halteseil am Felsmassiv links und einem Abgrund rechts, wo es 100 m senkrecht in die Tiefe ging. Ich wäre, hätte es sich als zu gefährlich herausgestellt, umgekehrt, doch stand dort mittlerweile ein massiver Holzzaun, der ein fahrlässiges Hinunterstürzen doch sehr erschweren dürfte.
Etwas enttäuscht ob des entgangenen Nervenkitzels setzte ich die Tour fort. Da ich den letzten Bus erreichen musste, war ich gezwungen, einen straffen Zeitplan einzuhalten, was mir aber gut gelang. Jedenfalls hatte ich die von Rother prognostizierte Wanderdauer klar unterschritten und hatte am Ende sogar noch etwas Zeit.
Fazit: Anstrengend vor allem wegen der 500 Höhenmeter. Gefährlich, weil ich alleine unterwegs war und mir kaum jemand entgegenkam. Dennoch: Ein wunderschönes Erlebnis. Jederzeit wieder!
Chinobre-Runde: Zu dritt fuhren wir mit dem Bus ins neblig-feuchte Anaga-Gebirge. Auch hier galt es,
einen Zeitplan einzuhalten, um den letzten Bus in Chamorga noch zu bekommen. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, da es schwer abzuschätzen war, wie man mit einer Dreijährigen vorwärtskommen würde.
Wir gingen zuerst die Kammstraße in nordöstlicher Richtung entlang. Es fällt nicht leicht, einen passenden Namen für diesen Wald dort oben zu finden: Lorbeerwald, Nebelwald, Märchenwald, Urwald – es passt einfach alles… Den Weg hinein in diesen verwunschen wirkenden Wald fanden wir nicht. Später erfuhren wir, dass ein Unwetter den Weg zerstört hatte und er danach nicht wiederhergestellt worden war. Nach einigen Kilometern entdeckten wir aber einen zweiten Weg in den Wald und nur kurze Zeit später machten wir Rast auf dem mit 909 m zweithöchsten Berg des Gebirges: dem Chinobre. Danach ging es vorbei an einem deutlich aus dem Wald ragenden Felsen, dem Roque de Anambra (882 m), der vor langer Zeit von den Ureinwohnern Teneriffas, den Guanchen, als Heiligtum angesehen worden war. Weiter ging es zu einem wunderschönen Aussichtspunkt. Das letzte Stück dorthin war aber schon sehr steil. Noch schlimmer wurde es nach diesem Aussichtspunkt: Dort ging es über einen Hohlweg weiter steil bergab. Nun ist es im Anaga-Gebirge immer und überall sehr feucht und schlüpfrig, der Boden wie die Bäume. Meine Frau rutschte jedenfalls mehrere Male aus und landete unsanft auf ihrem Hinterteil. Dabei hat sie sich die Hose so eingesaut, dass sie diese vorsichtshalber auf links zog, um vom Busfahrer auch ja mitgenommen zu werden. Der Rest des Weges war unkompliziert und wir kamen erschöpft aber ohne größere Blessuren in dem kleinen Bergdorf Chamorga an, wo wir sogar noch Zeit für eine Stärkung hatten.
Fazit: Ein unglaubliches Naturerlebnis mit phantastischen Ausblicken! Jederzeit wieder!
Von Garachico nach San Juan del Reparo: An diesem Tag sind wir zu dritt mit dem Bus nach Garachico gefahren. Während meine Frau und meine Tochter sich in dem natürlichen Meerwasserfreibad erholten, bin ich auf einem einsamen, serpentinenartigen Weg in das 500 m höher gelegene San Juan del Reparo gewandert. Die Aussicht auf das immer kleiner werdende Garachico war zwar schön, insgesamt war der Weg aber extrem langweilig und, weil es immer nur bergauf bzw. auf dem Rückweg immer nur bergab ging, eine echte Belastungsprobe für die Gelenke. Darüber hinaus gab es in San Juan del Reparo wirklich gar nichts, was man sich hätte angucken können. Mir kam während der gesamten Wanderung auch kein Mensch entgegen…
Fazit: Die mit Abstand schwächste und unattraktivste Tour. Nie wieder!
Von La Caldera nach Aguamansa: Am Ende meiner Tour über den Órganos-Höhenweg hatte ich noch Zeit, mir den im Nebel gehüllten Picknickplatz La Caldera, der innerhalb eines flachen Vulkankegels liegt und auch einen schönen Spielplatz hat, zu erkunden. Den wollte ich meiner Tochter nicht vorenthalten und so sind wir zu dritt mit dem Bus dort hochgefahren. Insgesamt war es eine unspektakuläre Wanderung: Wir waren immerhin noch vor den Passatwolken dort und ich bekam endlich die Orgelpfeifen, die bei meiner ersten Wanderung noch im Nebel versteckt waren, zu sehen. Ansonsten war es verhältnismäßig kühl und auch etwas feucht an diesem Tag. Die wunderschönen Eindrücke oberhalb der Orgelpfeifen, die ich auf meiner ersten Wanderung dort sammeln konnte, hatten wir unterhalb der Orgelpfeifen leider nicht.
Fazit: Eine nette, kleine Tour, besonders mit kleinen Kindern. Meiner Tochter zuliebe vielleicht nochmal!
Von der Teide-Seilbahn auf den Guajara: Ursprünglich hatte ich an diesem Tag vor, mit der Seilbahn den Teide hochzufahren und dann zum Nachbarberg, dem Pico Viejo, zu wandern. Starke Winde, die dazu führten, dass die Seilbahn nicht fuhr, machten mir aber einen Strich durch die Rechnung… Ich beschloss, da es erst 11:30 Uhr war und der Bus zurück erst am späten Nachmittag zurückfuhr, stattdessen den Guajara, den mit 2715 m höchsten Caldera-Randberg zu erklimmen.
Zunächst war ich eine mehrere Kilometer lange Strecke mitten durch die Caldera gelaufen, ehe ich am Fuße des Guajara ankam. Ein schmaler, serpentinenartiger Weg führt die Passhöhe hoch. Als ich die Passhöhe erreicht hatte, bot sich mir von einer Sekunde auf die andere ein unvergesslicher und eigentlich unbeschreiblicher Anblick: Direkt vor meiner Nase waberte ein riesiges Wolkenmeer aus Passatwolken, das es an diesem Tag nicht über den Rand der gewaltigen Caldera geschafft hatte und nun dort feststeckte! Die restliche Strecke bis zum Gipfelplateau war verglichen damit relativ unspektakulär, auch weil es doch schneller geht als man glaubt. Plötzlich ist man eben oben. Die Aussicht in die Caldera und auf das mächtige Bergmassiv von Teide und Pico Viejo ist einfach phantastisch und mit Worten ebenfalls kaum zu beschreiben… Der Abstieg über die Vorderseite des Guajara, ich hatte lediglich Laufschuhe an, war an Spannung und Nervenkitzel kaum zu überbieten. Die Markierungen des Weges waren kaum erkennbar, auch weil die meisten Wanderer den Weg in umgekehrter Richtung gingen. Oft musste ich unter Zuhilfenahme meiner Hände von Block zu Block nach unten springen. Auf den teilweise extrem gerölligen Wegen rutschte man leicht aus und konnte dabei ebenso leicht einige hundert Meter senkrecht in die Tiefe stürzen. Zäune oder sonstige Sicherungen gab es dort nämlich nicht… An einer nach rechts abschüssigen Stelle, -einen knappen Meter weiter rechts ging es sogar senkrecht in die Tiefe-, musste ich freihändig auf rutschigem Boden einen etwa zwei Meter langen Schritt bzw. einen kleinen Sprung machen. Nach kurzer Überlegung, -ein Umkehren hätte keinen Sinn gehabt-, riskierte ich es. Danach entspannte sich der Weg zusehends und ich bin rechtzeitig und unversehrt an der Bushaltestelle angekommen.
Fazit: Extrem schöne wie teilweise extrem gefährliche Wanderung! Nichts für Kinder oder Leute mit schwachen Nerven! Wegen des Nervenkitzels meine schönste Teneriffa-Wanderung im Jahr 2009!
Roques de Garcia und Roques de Garcia nach Pico Viejo: Gegen Ende des Urlaubs wollte ich es noch einmal wissen und den Pico Viejo erklimmen. Geplant war, mit der Seilbahn den Teide hochzufahren und dann zum Pico Viejo hinüber zu wandern, um dann in Richtung Roques de Garcia wieder abzusteigen. Starke Winde, die dazu führten, dass die Seilbahn nicht fuhr, machten mir aber erneut einen Strich durch die Rechnung… Ich beschloss, meiner Frau und meiner Tochter, die mit dem Bus weitergefahren waren, zu den Roques de Garcia zu folgen, was ich, immer der Straße nach, relativ schnell schaffte. Nach einer kurzen Suche fand ich die beiden und beschloss kurz darauf, den Aufstieg auf den Pico Viejo von dort aus zu wagen. Meine Frau und meine Tochter gingen derweil weiter um die Roques de Garcia herum.
Im Grunde war es, ich musste ja auch wieder runter und rechtzeitig den letzten Bus kriegen, ein fast hoffnungsloses Unterfangen, bei dem alles hätte optimal klappen müssen. Gerade zu Beginn verlief ich mich mehrmals, da ein richtiger Weg auf der erkalteten Lava kaum zu erkennen war. Phasenweise bin ich von Brockenlavaklumpen zu Brockenlavaklumpen gesprungen, was auch leicht hätte schiefgehen können. An einer Stelle eines riesigen Lavafeldes bin ich hochgestiegen in der Hoffnung, von da oben einen Weg ausmachen zu können, die sich aber nicht erfüllte. Nachdem ich mehrfach zurückgehen musste, fand ich irgendwann eher zufällig doch den richtigen Weg! Ich ging also hoch. Während der gesamten Wanderung kam mir übrigens nie jemand entgegen, was nicht gerade beruhigend auf mich wirkte… Um es kurz zu machen: Ich kam irgendwann an eine Stelle, an der ich beim besten Willen keine Fortsetzung des Weges mehr erkennen konnte. Geradeaus ging es eine geröllige Lavazunge relativ steil nach oben, rechts (berghoch) war auch kein Weg erkennbar und links wäre es wieder hinunter gegangen. Bei allem Ehrgeiz wäre es höchst unvernünftig gewesen, da noch weiterzugehen, weshalb ich etwa auf halbem Wege zum Gipfel kehrtmachte. Bei dieser Tour habe ich mir auch das erste Mal empfindliche Verletzungen in Form aufgeschlagener Knie und Handballen, bedingt durch mehrmaliges Umknicken, zugezogen. Sicher steckte mir auch die Müdigkeit, verursacht durch die ganzen vorherigen Touren zu sehr in den Knochen. Wieder in Deutchland habe ich lange nach dieser Stelle bei Google Earth gesucht, an der ich kehrtmachte, sie aber nicht mit letzter Sicherheit wiedergefunden. Diese Lavafelder bzw. Lavazungen sehen auf Satellitenbilder ja sehr klein aus, steckt man da aber drin, ist eine Orientierung fast unmöglich…
Wieder bei den Roques de Garcia angekommen, begann ich ebenfalls damit, diese zu umrunden, was sich aber aufgrund meiner lädierten Knochen als äußerst schmerzhaft herausstellte. Gerade die 200 Höhenmeter nach oben, die es am Ende zu bewältigen gilt, haben mich an den Rand meiner Leistungsfähigkeit getrieben.
Im Nachhinein habe ich mich gefragt, wie meine Frau und besonders meine damals gerade einmal dreijähige Tochter dort hochgekommen sind… Zum Schluss fielen wir uns auf dem Parkplatz in die Arme und ein anstrengender aber wunderschöner Urlaub neigte sich allmählich seinem Ende entgegen…
Fazit: Die Roques de Garcia sind ein Muss für jeden Touristen, der miserable Weg hinauf zum Pico Viejo nicht!