Heute konnte wieder jeder, per pedes oder mit einem abgasfreien Fahrzeug, eine für den üblichen Verkehr abgesperrte Strecke vom Ravensberger Park in Bielefeld bis zum Fürstenauplatz in Herford fahren. Weite Teile der rund 16 km langen Strecke gingen über die Heeper Straße und die B61. Schon 2009 fand die erste Veranstaltung dieser Art in Bielefeld und Herford statt, an der ich aber nicht teilnahm.
Obwohl ich in den letzten fünf Tagen bereits über 150 km mit dem Liegetrike zurückgelegt hatte, konnte ich als Idealist mit einem leichten Hang zur Selbstdarstellung nicht widerstehen, mich auf dieser Bühne zu präsentieren und den Fahrspaß und die damit verbundene Lebensfreude demonstrativ zur Schau zu stellen. Vielleicht führt die Aktion ja wirklich bei Autofahrern, die dazu neigen, für jede noch so kurze Strecke das Auto zu nehmen, zu einem Umdenken, was wünschenswert wäre.
Nach knapp 14 km Anfahrt hatte ich die Kreuzung Heeper Straße – Teutoburger Straße am Ravensberger Park erreicht und fuhr los in Richtung Herford, wo ich nach zwei kurzen Abstechern bei Freunden und Verwandten ankam. Nach einer Pause am Stand von Fahrrad Marquardt, wo ich mein Liegetrike gekauft hatte, und einem interessanten Gespräch mit einem älteren Ehepaar, das mit seinem Hase Pino unterwegs war, ging es zurück Richtung Bielefeld. Nach einem dritten Abstecher kam ich schließlich wieder am Ravensberger Park an.
Bunte Mischung in allen Altersklassen
Neben normalen Fahrradfahrern, manche auch mit Anhänger, waren auch sehr viele Inline-Skater unterwegs, bei denen das Überholen wegen der ausladenden Beinbewegungen nicht immer einfach war. Läufer oder Walker habe ich fast gar nicht gesehen. Die Spezialradfahrer, die ich sah, u.a. Liegezweiradfahrer, Liegedreiradfahrer und Handbiker, konnte ich an zwei Händen abzählen. Da hatte ich eigentlich mehr erwartet.
Die sportliche Komponente
Meine lässige Bekleidung mit kurzem Hemd, Sommerhut und Sonnenbrille, die diesem herrlichen Spätsommer-
tag auch wirklich angemessen war, stand im Gegensatz zu meiner sportlichen Fahrweise, mit der ich im Grunde alle Teilnehmer, die vor mir auftauchten, sanft überholt habe. Nennenswerte “Gegner” waren allenfalls einige Rennradfahrer, die in ähnlicher Geschwindigkeit wie ich unterwegs waren.
Sicherheit an erster Stelle
Spaß und vor allem Sicherheit sollten aber bei einer solchen Veranstaltung über allem stehen. Mir sind zum Glück auch nur zwei, drei Radfahrer negativ aufgefallen, die mit ihrer leichtsinnigen und völlig unangepassten Raserei sich und andere in Gefahr gebracht hatten. Ansonsten dominierte das “Miteinander” auf Basis von gegenseitigem Respekt und Rücksichtnahme.
Teils anarchische Zustände
Wenn sich so viele verschiedene Teilnehmer die Hälfte einer Straße teilen, auf der anderen kam ja der “Gegenverkehr”, bleibt eine gewisse Anarchie nicht aus: So wurde links wie rechts überholt, oft auch ohne Schulterblick, oft auch durch gefährliches Eintauchen in die andere Straßenhälfte. Gefährlich, weil das Einschätzen der Geschwindigkeiten vielen in so einer ungewohnten Verkehrssituation sicher nicht leicht fiel.
So bestand für mich die eigentliche Herausforderung auch nicht darin, möglichst viele andere Radfahrer zu überholen, sondern mittels einer hochkonzentrierten Fahrweise sicher ins Ziel zu kommen.
Fazit:
Wer schon immer mal mit seinem Fahrrad oder seinen Inline-Skatern mitten auf einer Hauptstraße flanieren wollte, dem kann ich die nächste Aktion dieser Art nur wärmstens empfehlen. Ich habe jedenfalls sehr genossen, Teil dieses friedlichen Miteinanders sein zu dürfen und freue mich schon auf das nächste Mal!