Früher gingen bekanntermaßen mehr Menschen in die Kirche als heute. Glaubte man früher, durch Liebe und Glauben an Gott, Erfüllung und Glück zu finden, so glauben viele Menschen nun, möglichst viel Geld scheffeln zu müssen, um glücklich zu sein. Statt in die Kirche treibt es heute viele in die Bank oder Sparkasse, den Kathedralen des Kapitalismus…
Nun, in unserer kapitalistisch geprägten Welt wird der Wert eines Menschen daran festgemacht, wieviel Geld er hat. Je mehr desto besser. Bettler, Penner und oft auch auf Hartz-IV-Empfänger sind uninteressant und nicht viel wert in unserer Gesellschaft. Ob diese Menschen im Leben einfach Pech hatten oder ob sie tatsächlich zu träge oder zu dumm sind, sei einmal dahingestellt. Darum soll es in diesem Artikel auch gar nicht gehen.
Vielmehr soll es um die Menschen gehen, die über Geld verfügen und die deshalb hochinteressant sind für unterschiedlichste Gruppen, die dieses Geld wollen. Man darf sich nichts vormachen: Als Mensch wird man nur solange begehrt oder höflich behandelt, wie man Geld hat. Ist man für solche Gruppen eigentlich noch ein Mensch oder ist man nichts weiter als eine beliebig austauschbare Einheit, die Geld produziert?
Im Grunde wollen alle Menschen, die etwas verkaufen oder Dienstleistungen erbringen, exakt dasselbe wie ein Taschendieb oder ein Einbrecher: Unser Geld. Wer bei diesem großen Spiel, nennen wir es ruhig Kapitalismus, mitmacht, wird ständigen Manipulationen, z.B. in Form von Werbung, ausgesetzt. Achtung: Hat man dieses perfide Spiel einmal durchschaut, kann zu nachhaltiger Verbitterung führen. Ein paar Beispiele:
Auf dem Arbeitsweg:
- halbstündliche Radiowerbung auf WDR 2
- Werbeplakate und Litfaßsäulen an den Straßen
- Geschäfte mit Schaufenstern
In der Freizeit:
- Internet-Werbung
- Werbefernsehen
- Videotext-Werbung
- unseriöse Verkaufssender
- Werbeanrufe
- Werbeprospekte im Briefkasten
Das ist die unpersönliche Dauerberieselung, der ich mich, wie viele andere auch, jeden Tag aufs Neue ausgesetzt sehe. Persönliche Erfahrungen machen mich noch viel wütender:
Ein gutes Beispiel sind Bankkauffrauen. Wenn ich sehe, wie sie Kleinkindern zulächeln oder größeren Kindern billige Werbeartikel schenken oder sie über den grünen Klee loben, bekomme ich fast einen Brechreiz. Ich finde diese Heuchelei unerträglich. Solche karrierefixierten Frauen würden selten bis nie selbst Kinder in die Welt setzen und Werbeartikel für Kinder dienen auch nur dazu, einige Jahre später Neukunden zu gewinnen.
Besonders verwerflich ist das Spiel mit leicht beeinflussbaren Kindern und Jugendlichen, die im Idealfall auch noch Gruppenzwängen unterworfen sind. Diese Zielgruppe kann z.B. ab einem gewissen Alter tatsächlich rechtswirksame Handy-Verträge ohne Kostenkontrolle abschließen, die die Eltern im schlimmsten Fall in den Ruin treiben. Mobilfunkbetreibern, die nur am Profit orientiert sind, ist das freilich egal.
Aufgrund von Gruppenzwängen gehen Jugendliche auch oft in Diskotheken, wo sie Gefahr laufen, ihr Gehör zu ruinieren, wo sie verrauchte und sauerstoffarme Luft einatmen, die ihnen das Denken erschwert, wo sie mit Zigaretten, Alkohol und vielleicht sogar Drogen in Kontakt kommen und wo sie neben dem Eintritt auch völlig überteuerte Preise für Getränke bezahlen. Auch Diskothekenbetreibern ist das egal, solange die Kasse stimmt.
Man sollte, wenn man in Versuchung geführt wird, Geld für etwas auszugeben, sich selbst stets fragen:
- Warum will ich das?
- Was bringt es mir?
- Werde ich es wirklich brauchen?
Viele Bedürfnisse werden erst künstlich von der Werbeindustrie geschaffen. Der Mensch lebt seit sehr vielen Generationen auf diesem Planeten. Ich glaube nicht, wenn ich nach draußen auf die Straße oder in eine Einkaufsmeile gehe, dass der Mensch heute glücklicher ist als früher. Oft habe ich den Eindruck, das Gegenteil ist der Fall. Brauche ich ein Navi? Ein Handy? Ein Auto, das für mich einparkt? Nein. Brauche ich so viel Geld, dass ich mir all das kaufen kann, von dem es heißt: Das brauchst Du zum Glücklichsein? Nein. Das habe ich in den 80er Jahren nicht gebraucht, das brauche ich auch heute nicht.
Das, worauf es im Leben wirklich ankommt, kann man mit Geld nicht kaufen: Echte Freundschaft und Liebe, z.B. durch die eigenen, glücklichen Kinder. Das wird vielleicht auch irgendwann die karrierefixierte Bankkauffrau, stellvertretend für alle Frauen, die in ihrer Verblendung auf Karriere und viel Geld aus sind, merken; – nur höchstwahrscheinlich zu spät, sodass sie im Alter im schlimmsten Fall total vereinsamen.