Archiv für August 2011
Aggressiv angehupt
Zum ersten Mal überhaupt ist es mir heute passiert, dass ich von einer Autofahrerin aggressiv angehupt wurde.
Wie schon um die 70 Mal in diesem Jahr bin ich auch heute wieder die Detmolder Straße in Oerlinghausen nach Oerlinghausen-Helpup runtergefahren. Das geht aufgrund meiner Geschwindigkeit von 40-55 km/h recht schnell, weswegen ich meistens nur von 2-3 Autos, manchmal auch von gar keinem Auto überholt werde.
Diese Autofahrerin heute, nennen wir sie mal A. G., hat mich lang anhaltend und verbotenerweise, da innerorts und ohne Not, angehupt und damit billigend in Kauf genommen, dass ich vor Schreck den Lenker verreiße und mich bei einem möglichen Sturz schwer verletze.
Eine Radwegbenutzungspflicht besteht übrigens nur dann, wenn ein entsprechendes rundes blaues Schild aufgestellt UND der Radweg zumutbar ist. Da auf diesem Radweg bereits an mehreren Stellen Baumwurzeln den Asphalt hochgedrückt haben, ist er insbesondere einem Liegetrike-Fahrer nicht mehr zuzumuten.
Hier noch zwei interessante Links zur aktuellen Rechtslage:
- Keine generelle Radweg-Pflicht für Radler (straffrei-mobil.de)
- Fast immer freie Fahrt für Radler (tagesschau.de)
Daraus geht hervor, dass ein Fahrbahnverbot für Radfahrer bzw. eine Radwegbenutzungspflicht die Ausnahme sein muss und nur bei erhöhter Gefährdung ausgesprochen werden darf. Viele dieser runden blauen Schilder im Kreis Lippe stehen dort also im Grunde widerrechtlich.
Ich habe mich heute morgen jedenfalls sehr über dieses rücksichtslose Verhalten geärgert und erwäge ernsthaft, im Wiederholungsfall Anzeige wegen Verkehrsgefährdung zu stellen. Das muss sich wirklich kein Radfahrer bieten lassen, auch nicht an einem Montagmorgen.
Über Duelle und Quasi-Rennen
In den letzten vier Tagen habe ich diverse Erfahrungen mit anderen Radfahrern gemacht, doch der Reihe nach:
Der normale Zweiradfahrer
Am 12. August kam mir aus Lage-Billinghausen ein unscheinbarer Zweiradfahrer mit einem ebenso unscheinbaren Fahrrad entgegen, der den gleichen Weg hatte wie ich. Anfangs ließ er mich auf dem schmalen Radweg passieren, überholte mich aber ab Detmold-Pivitsheide. Wir lieferten uns ein fulminantes, rasantes Quasi-Rennen, bei dem wir beide je einmal in eine gefährliche Situation gerieten. Zuerst hätte mich in Pivitsheide beinahe ein Auto gerammt, dass vom Combi-Parkplatz auf die Straße fahren wollte und dessen FahrerIn mich offenbar nicht sah. Als ich schon gezwungen war, mit dem rechten Vorderrad auf die Straße zu fahren, bremste es endlich ab… Der Zweiradfahrer, der ohne Helm fuhr, musste auf der nassen Albert-Schweitzer-Str. eine Vollbremsung hinlegen, als an einer Kreuzung ein Auto von links kam, das ihm aber auch Vorfahrt gewährt hätte. Auf der Bielefelder Straße hatte ich kurz vor dem Detmolder Zentrum die Gelegenheit gehabt, an ihm vorbeizuziehen, habe es aber gelassen. Spaß gemacht hat es trotzdem.
Der Velomobilfahrer
Am 16. August gab es gleich zwei berichtenswerte Ereignisse. Auf der Hinfahrt überholte mich in Wellentrup ein Velomobilfahrer mit seiner schon älteren Leitra, den ich in der Vorwoche bereits kennengelernt hatte. Obwohl ich eigentlich auf Regeneration fahren wollte, entschied ich mich dazu auszutesten, ob und wie lange ich mit ihm mithalten konnte. Schnell stellte ich fest, dass ich in scharfen Kurven wegen der niedrigeren Sitzhöhe gegenüber dem Leitra-Fahrer im Vorteil war und Zeit gutmachen konnte. Ebenso verhielt es sich bei Steigungen, da die Leitra wohl doch schwerer ist als mein ICE Sprint. Insgesamt klebte ich über die ganze Distanz wie eine Klette an ihm und selbst auf einer ebenen bzw. abschüssigen Hauptstraße konnte er mich nicht abschütteln, was ihn scheinbar etwas irritiert hat… An ein Überholmanöver war trotzdem nicht zu denken, da die Entfaltung meiner SRAM Dual Drive II Premium 3 x 8 noch höhere Geschwindigkeiten einfach nicht mehr zulässt.
Ab 40 km/h wird die Trittfrequenz auch im schwersten Gang zu hoch.
Die Rennradfahrer
Auf der Rückfahrt fuhr ich gemütlich und entspannt auf dem linksläufigen Fahrradweg durch Lage-Stapelage, als mich nacheinander je zwei Rennradfahrer, die auf der Straße fuhren, überholten. Es war eine Vierergruppe, die aus zwei erwachsenen Männern, einer erwachsenen Frau und einem Jungen bestand, der vielleicht 12 oder 13 Jahre alt war. Die Vier haben nicht schlecht gestaunt, als ich sie beim ersten steilen Anstieg zwischen Stapelage und Oerlinghausen-Währentrup überholt habe, wohlgemerkt bergauf. Ihr “Anführer” unterstellte mir sogleich, doch irgendwie motorisiert zu sein und schob es danach auf die geringere Windangriffsfläche. Dass ich mit drei Rädern fuhr und mein Liegetrike mindestens doppelt so schwer war wie deren Räder, fand keine Erwähnung. Im Verlauf des zweiten steilen Anstiegs konnten sie mich wieder überholen und bei der rasanten Abfahrt hinein nach Währentrup konnte ich mit 56,74 km/h Spitze noch einmal an zweien von ihnen vorbeiziehen. Danach machten sie eine kurze Pause. Auf der langgezogenen, leicht aber stetig ansteigenden Oetenhauser Straße sind dann nach und nach wieder alle an mir vorbeigezogen. Nach den kräftezehrenden Überholmanövern war ich aber auch am Ende meiner Leistungsfähigkeit angelangt…
Fazit:
Das Duell mit dem Zweiradfahrer war am spannendsten, aber auch am gefährlichsten. Die Zeitfahrt mit dem Leitra-Fahrer war ungleich harmloser, dafür entspannter. Das Duell mit den Rennradfahrern war eigentlich keines. Da sollte man sich nichts vormachen. Realistisch betrachtet hat man gegen einen erwachsenen, gleich gut trainierten Rennradfahrer auf lange Distanz keine echte Chance mit einem unverkleideten Liegedreirad.
Der geringere Windwiderstand macht die drei Räder und das höhere Gewicht sowie den nicht möglichen Wiegetritt bergauf beileibe nicht wett…