- Entfernung: ca. 147 km
- Streckenverlauf grob: Oerlinghausen – Detmold – Horn-Bad Meinberg – Steinheim – Marienmünster – Höxter – Holzminden – Deensen – Heinade – Dassel – Einbeck – Northeim – Katlenburg-Lindau – Osterode am Harz
- Streckenverlauf präzise: Oerlinghausen – Oerlinghausen-Helpup – Detmold-Pivitsheide V. L. – Detmold-Pivitsheide V. H. – Detmold-Heidenoldendorf – Detmold-Süd – Detmold-Spork-Eichholz – Detmold-Remighausen – Detmold-Schönemark – Horn-Bad Meinberg-Wilberg – Horn-Bad Meinberg-Bad Meinberg – Horn-Bad Meinberg-Vahlhausen – Horn-Bad Meinberg-Billerbeck – Steinheim – Marienmünster – Marienmünster-Vörden – Marienmünster-Hohehaus – Höxter-Fürstenau – Höxter-Bödexen – Höxter-Albaxen – Holzminden – Deensen-Schießhaus – Heinade-Hellental – Heinade-Merxhausen – Dassel-Mackensen – Dassel – Dassel-Eilensen – Dassel-Markoldendorf – Einbeck – Einbeck-Salzderhelden – Einbeck-Vogelbeck – Northeim-Hohnstedt – Northeim-Edesheim – Northeim-Wiebrechtshausen – Northeim-Langenholtensen – Northeim – Northeim-Hammenstedt – Katlenburg-Lindau – Osterode am Harz-Dorste – Osterode am Harz
- Datum: 19.06.2011
- Zeitraum: ca. 06:00 – 16:00 Uhr
- Wetter: meist stark bewölkt mit anfänglich leichtem bis später starkem Regen
- Temperatur: kühl
- reine Fahrzeit: ca. 08:30 h
- Durchschnittsgeschwindigkeit: ca. 17,50 km/h
- Trittfrequenz: ca. 60 UPM
Um 6:00 Uhr in der Früh ging es auf dem Liegetrike los, den miserablen Wetteraussichten zum Trotz. Ausgestattet war ich mit fünf Protein-Riegeln verschiedener Sorten und Hersteller, einem Liter Cherry Coke und anderthalb Litern Apfelschorle. Gegen das schlechte Wetter hatte ich eine Regenjacke, eine Regenhose und für ganz schlimme Schauer auch einen Regenschirm dabei. Für den Fall einer Panne hatte ich diverse Imbusschlüssel, einen Ersatzschlauch sowie Flickzeug und Handluftpumpe dabei.
Der erste Regen fiel schon in Detmold und zwang mich, die Regenhose anzuziehen, die ich nur noch einmal zwischen Detmold und Bad Meinberg auszog und danach für den Rest der Strecke anbehielt. Es ging weiter durch Bad Meinberg und erst als ich aus Steinheim, wo ich lange ziellos herumgeirrt war, rausfuhr, hörte der Regen auf und das Wetter wurde freundlicher. Bei der Abtei Marienmünster aß ich einen ersten Protein-Riegel. Zuvor hatte ich immer wieder mal einen Schluck von der Cola getrunken, die als erstes leer war.
Als ich aus Marienmünster-Vörden herausfuhr, kam zum ersten Mal die Sonne raus und der in jeder Hinsicht schönste Abschnitt der Fahrt begann. Die Abfahrten durch Fürstenau und besonders durch Bödexen sind allererste Sahne! Auch der fantastische Radweg rechts neben der L823 zwischen Bödexen und Albaxen ist es wert, befahren zu werden! Der Radweg ist dort in viel besserem Zustand als die Straße! In Albaxen fuhr ich an der Trutzburg Tonenburg vorbei auf den Weserradweg, den ich bis zur ersten Brücke in Holzminden befuhr.
Hinauf ins Gebirge
Nach ein paar kleineren Pausen in Holzminden (in der zweiten Pause hatte ich mir eine Käsestange gekauft, die ich zu zwei Dritteln aufaß) ging es weiter durch den Solling. Das war der mit Abstand schlimmste Abschnitt der Fahrt. Im Irrglauben, es handele sich bei der Alten Einbecker Straße tatsächlich um eine Straße, fuhr ich guten Mutes los. Am Rande des Sollings angekommen, musste ich aber feststellen, dass es nicht mehr als eine Schotterpiste mit zahllosen spitzen Steinen war, über die ich mit meinen Durano-Rennreifen rüber musste! Während der rund 10 km langen Strecke ging es fast immer nur bergauf, mir kam bis Heinade-Hellental kein einziger Mensch entgegen und in der zweiten Hälfte gab es einen kurzen Regenschauer. Nie wieder!
Der Weg hinunter nach Heinade-Hellental war so dermaßen steil, dass an eine rasante Abfahrt nicht zu denken war. Immerhin ging es jetzt aber wieder auf einer ganz normalen Straße weiter. Bis Einbeck-Salzderhelden verlief die Fahrt unspektakulär bei trockenem Wetter. Im Zentrum von Einbeck machte ich eine kurze Pause, wo ich meinen zweiten und letzten Protein-Riegel aß. In Einbeck-Salzderhelden befuhr ich dann wieder einen umkomfortablen, grasbewachsenen Dammweg seitlich des Hochwasserrückhaltebeckens. Erst in Einbeck-Vogelbeck, durch das ich unnötigerweise fuhr, ging es auf Straßen weiter.
Zwischen Northeim-Hohnstedt und Northeim-Edesheim setzte starker Regen ein, der mich für den Rest der Fahrt begleiten sollte. Genervt vom Wetter und erschöpft von der schon recht langen Fahrt, hatte ich keine Lust mehr, ständig auf die Karte und auf meine ViaMichelin-Ausdrucke zu gucken, um das nächste Dörflein zu finden, dass der ViaMichelin-Routenplaner vorgeschlagen hatte. Fortan fuhr ich nur noch stur in Richtung Northeim und von da in Richtung Osterode am Harz. Die Knie begannen mir ab Northeim spürbar weh zu tun.
Begegnung mit der Familie
Zwischen Northeim und Northeim-Hammenstedt überholte mich meine Frau mit den zwei Kindern, die gegen 11:30 Uhr gestartet waren. Heilfroh und überglücklich fielen wir uns in die Arme. Im trockenen Auto konnte ich mich etwas aufwärmen, habe viel getrunken und einige Schnittchen gegessen. Nach einer knappen halben Stunde hieß es dann erst mal wieder Abschied nehmen. Die Strecke zwischen Osterode am Harz-Dorste und Osterode am Harz ist mir negativ in Erinnerung geblieben. Wenn man auf einer kurvigen, nassen Straße bei starken Regen unterwegs ist und man im Rückspiegel die Autos mit Tempo 100 angeschossen kommen sieht, betet man zu Gott, dass deren Fahrer einen auch sehen!
Endlich in Osterode am Harz angekommen, suchte ich Schutz auf einem Parkplatz unter einer Brücke, studierte mein Kartenmaterial und trank noch etwas. Als ich das Ortausgangsschild von Osterode am Harz schon fast sah, wurde ich auf eine Radweg-Beschilderung nach Herzberg am Harz, was mein nächstes Ziel war, aufmerksam. Auf eine Alternative zur gefährlichen, kurvenreichen Straße hoffend, schaute ich mir den Weg an, wurde aber enttäuscht. Es war ein vom Regen total aufgeweichter Waldweg in schlechtem Zustand.
Ein Platten kurz vor dem Ziel
Beim Versuch, den Weg rückwärts und ohne abzusteigen wieder hochzukommen, habe ich mir einen platten Reifen am Hinterrad eingehandelt. Damit war die Tour vorbei. Ich hätte bei strömendem Regen das Schutzblech abbauen, den Mantel abziehen, das Loch finden, es flicken, den Mantel wieder draufziehen, das Schutzblech wieder anbauen und den Schlauch aufpumpen müssen. Da zog ich es vor, meine Frau, die zwischenzeitlich schon in Bad Lauterberg angekommen war und das Auto entladen hatte, anzurufen und um Hilfe zu bitten. Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der mein Körper gefährlich auskühlte, kam sie an. Ich faltete das Rad und packte es in den Kofferraum. Die letzten 25 km erlebte ich dann als Beifahrer im warmen Auto…
Trotz dieser Mammut-Tour taten mir die Knie nur etwa 20 Stunden lang weh. Muskel- oder Rückenschmerzen stellten sich gar nicht ein, zum Glück auch keine Erkältung. Hier zeigt sich wirklich der enorme Vorteil der entspannten Sitzposition gegenüber dem normalen Zweirad! Am Abend des nächsten Tages konnte ich bereits wieder komplett schmerzfrei wandern gehen.
Fazit:
Eine schöne, herausfordernde Tour, die aber mit 147 km (ca. 172 km bis Bad Lauterberg) etwas zu lang war (120 km hätten auch gereicht) und die bei besserem Wetter und besserem Kartenmaterial noch mehr Spaß gemacht hätte. Durch den Solling würde ich nicht noch einmal fahren, zumindest nicht mit Rennreifen.